Meine Superkraft

Schon als Kind gab es etwas, das mich oft ratlos gemacht hat.
Ich habe in anderen Menschen immer ihr volles Potenzial gesehen.
Ich konnte sehen, was in ihnen steckt. Und dann hat es mich fast verrückt gemacht, wenn ich sah, dass sie dieses Potenzial gar nicht leben. Damals war ich allerdings selbst sehr schüchtern und unsicher.
Ich wusste lange nicht, was ich mit dieser Wahrnehmung anfangen sollte.
Mein eigener Weg begann damit, erst einmal mein eigenes Potenzial zu entdecken.
Zunächst führte mich dieser Weg in die Technik. Ich habe mehrere technische Ausbildungen gemacht und eine Firma für Automatisierungstechnik gegründet. Doch ich war darin nicht wirklich glücklich.
Meine Hochsensibilität stellte mich immer wieder vor Herausforderungen. Nach einem beinahe Burn-out habe ich begonnen, meinen Weg neu zu betrachten.
Ich habe mich intensiver mit Pädagogik beschäftigt und schon 1990 an der Gründung einer Waldorfschule mitgewirkt. In den folgenden Jahren habe ich mich immer tiefer mit Pädagogik, Persönlichkeitsentwicklung und spirituellen Fragen beschäftigt.
Dabei wurde mir langsam klar, was meine eigentliche Aufgabe ist. Ich möchte Menschen helfen, ihr eigenes Potenzial zu entdecken.
Und genau hier liegt meine "Superkraft".
Meine Hochsensibilität, die mir lange im Weg stand, hat sich als große Gabe erwiesen. Sie hilft mir, wahrzunehmen, was Menschen wirklich brauchen.
Ich habe mit Jugendlichen im "betreuten Wohnen" gearbeitet, die kurz vor dem Gefängnis standen. Mit Kindern auf einem Bauspielplatz in Hamburg. Mit Kindergartenkindern im Wald. Und mit Erwachsenen, die ihren eigenen Weg im Leben suchen.
Seit 2018 arbeite ich als Lernbegleiter an der Freien Schule Weserbergland. Dort erleben Kinder, dass Lernen auch frei und selbstbestimmt sein kann.
Bei meiner Arbeit mit Erwachsenen habe ich etwas Wichtiges erkannt. Viele Menschen können ihr eigenes Potenzial erst dann leben, wenn sie ihre alten Verletzungen heilen.
Doch dieser Prozess beginnt oft erst in der zweiten Lebenshälfte. Dann haben viele ihren Rucksack mit Verletzungen bereits – ohne es zu wollen – an ihre Kinder weitergegeben.
Genau deshalb liegt mir die Arbeit mit Eltern so am Herzen. Ich arbeite sehr gern mit Kindern. Doch verletzte Kinderseelen zu sehen, ist für mich schwer zu ertragen.
Kinder, die glauben, sie seien nicht richtig. Kinder, die sich verbiegen, um geliebt zu werden.
Und oft liegt dahinter nicht einmal böse Absicht. Manchmal reicht schon eine neue Sichtweise. Oder eine kleine Veränderung im Verhalten. Und plötzlich verändert sich die Atmosphäre in einer Familie.
Meine Aufgabe sehe ich darin, Eltern einfache Möglichkeiten zu zeigen, wie sie ihren Kindern einen Raum geben können, in dem sie sich frei, stark und geliebt entwickeln können.